Rettungstasche

Definition

Rettungstaschen dienen der umluftunabhängigen Atemluftversorgung während der Rettung und während der Dekontamination von Atemschutzgeräteträgern. Auch eine Notluftversorgung von Personen bei der Rettung aus gefährdeten Bereichen ist möglich, z.B. während der Rettung aus oder durch mit Brandrauch gefüllte Räume.

Bild: Rettungstasche Rescue Pack System RPS 3500

Erläuterung

Rettungstaschen zählen nicht zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Für sie existiert keine separate Normung. Renommierte Hersteller wie Dräger Safety haben ihre Rettungstasche aber entsprechend zertifizieren lassen.

Beispiel für eine Rettungstasche ist das “Rescue Pack System RPS 3500”. Etwa 10.000 Stück sind davon im Einsatz. Es besteht aus:

  • 1 Druckminderer mit integrierter Warnpfeife und Manometer, Druckminderer ist direkt an der Druckluftflasche angeschlossen
  • 1 Mitteldruckschlauch mit Zugentlastung (Karabinerhaken)
  • 1 Y-Stück als Verteiler zum gleichzeitigen Anschluss von Lungenautomaten und Rettungshauben
  • 1 Tasche zum Tragen und zum Schutz der Ausrüstung mit verstärkter Bodenplatte, ein Schultertrageriemen sowie mit einem Fach zum Unterbringen von Rettungszubehör wie Bandschlinge, Rettungshaube, Brandfluchthaube und Tragetuch
  • Druckluftflasche CFK mit 6,8l/300 bar oder 9,0l/300 bar
  • 1 Lungenautomat DrägerMan PSS
  • 1 Vollmaske FPS 7000 oder Dräger Panorama Nova
  • alternativ Zusatzausrüstung: PSS Rettungshaube mit Systemzulassung für Dräger Rettungspack-System und Dräger Pressluftatmer

MAYDAY bei Übungen

Mayday bei Übungen


MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY – soll dieser Notruf für einen Atemschutznotfall auch bei Übungen angewendet werden? Kann bei diesem Funkruf nicht irrtümlich die Handlungskette nach einem tatsächlichen Notruf ausgelöst werden?
Ja, das ist möglich. In 2012 hat eine Atemschutzübung zur Notfallrettung tatsächlich fälchlicher weise zu einem Alarmieren weiterer Rettungskräfte geführt. Bei einer Übung baute der Angriffstrupp einen Notfall in die Übung ein und meldete diesen mit dem Mayday-Notruf. Die über den Übungsinhalt nicht informierte Wehrleitung wollte daraufhin die Übung abbrechen und die Atemschutznotfallrettung (ASNR) einleiten, da sie an einen richtigen AS-Notfall glaubte.

Rechtliche Vorgabe

Bundesweit einheitliches Stichwort zur Verdeutlichung von Reallagen ist entsprechend Polizeidienstvorschrift PDV/DV 810.3 Sprechfunkdienst, Pkt. 4.5.3:

„Tatsachenmeldungen im Rahmen einer Übung sind durch den besonderen
Vermerk — Tatsache — zu kennzeichnen. Sie unterbrechen den
Übungsverkehr.“

Praktikable Lösung

Um diese Festlegung praktikabel und im Realfall nachvollziehbar zu gestalten empfehle ich, dass der Übungsleiter mit allen Teilnehmern der Übung für die Zeit der Übung vereinbart: die für das Üben von Notfällen zu benutzenden Worte zur Kennzeichnung des angenommenen und zu übenden Notfalls

Beispiel: „Achtung Übung“ + “MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY …
….” (weiter nach FwDV 7, Pkt. 7.6)

So lassen sich mit den Einsatzgrundsätzen konforme Verhaltensweisen bei Atemschutzunfällen üben und festigen, ohne Verwirrung bei den Atemschutzgeräteträgern zu verursachen, wenn ein realer Notfall eintritt. Es bleibt der Originalnutruf nach FwDV 7 Pkt. 7.6 der Extremsituation bei realen Unfällen, Notfällen oder sonstigen realen Ereignissen zu benutzende Worte “MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY …” (weiter nach FwDV 7, Pkt. 7.6) vorbehalten.
Für den Fall, dass die übende Einheit für eine tatsächliche Atemschutznotfallrettung benötigt wird, vereinbart der Übungsleiter mit der Leitstelle für die Zeit der Übung beim Eintreten von realen Unfällen, Notfällen oder sonstigen realen Ereignissen zu benutzende Worte, z. B.
Beispiel1: „Achtung Tatsache“ + “MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY …” (weiter nach FwDV 7, Pkt. 7.6)
Beispiel 2: „Achtung Realfall“ + “MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY …” (weiter nach FwDV 7, Pkt. 7.6)

Dipl. Ing. W. Gabler

Atemschutzunfall

Definition

Ein Atemschutzunfall ist ein von außen einwirkendes plötzliches Ereignis, welches einen Körperschaden verursacht. Dadurch ist der im Einsatz befindliche Atemschutztrupp in seiner Handlungsfähigkeit so eingeschränkt, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich in einem sicheren Zeitfenster aus dem Gefahrenbereich zu retten.

Erläuterung

Ein sicheres Zeitfenster ist dann gegeben, wenn die Rettung oder die Selbstrettung aus dem Gefahrenbereich mit dem eigenen Luftvorrat möglich ist.

Atemschutznotfall

Definition

Ein Atemschutznotfall ist ein Ereignis im Atemschutzeinsatz, welches die Tätigkeit des eingesetzten Atemschutztrupps teilweise oder ganz einschränkt, eine Gefahr für Leib und Leben darstellt oder zu einem Atemschutzunfall führen kann. Der betroffene Atemschutztrupp ist in der Lage, durch gezielte Maßnahmen die Gefahr zu minimieren oder sich selbst aus dem Gefahrenbereich zu retten.

Erläuterungen

Alle Atemschutznotfälle lassen sich mit den Standardeinsatzsituationen „Luftversorgung“, „Ausfall“, „Bewusstlosigkeit“, „Absturz“, „Trennung“ sowie „Orientierungslos“ katalogisieren und beschreiben.

Hauptalarm

Definition

Zustand eines Notsignalgebers, desssen Bewegungssensor im Gerät einen akustisch und optisch signalisierten Hauptalarm ausgelöst hat.

Bildquelle: Dräger AG

Erläuterung

Der Bewegungssensor des Notsignalgebers löst zeitabhängig Vor- und Hauptalarm aus. Eine manuelle Auslösung ist meist zusätzlich vorhanden. Die akustische Anzeige des Hauptalarms erreicht dabei Lautstärken größer als 100 dB(A) und soll einem Sicherheitstrupp das Finden einer verunglückten Einsatzkraft erleichtern.

Crashrettung

Definition

schnelle Rettung eines in Not geratenen, z. B. ein Atemschutzgeräteträger aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage.

Erläuterung

Um das Leben zu retten, werden mögliche Folgen, die durch eine nicht patientengerechte bzw. schonende Rettung entstehen könnten, in Kauf genommen. Der zeitliche Verzug wird als schwerwiegender eingestuft als die möglichen Folgen einer nicht patientengerechten Rettung.

Bildquelle: Dräger AG

Bodycheck in der ASNR

Definition

auch Körperkontrolle, beschreibt den Untersuchungsgang zur Feststellung des Zustandes von Personen nach Unfällen oder Unglücken.

Erläuterung

In der Atemschutznotfallrettung sollen zu Hilfe eilende Atemschutzgeräteträger durch sehen – hören – fühlen die Vitalfunktionen und den Luftvorrat der in Not geratenen Atemschutzgeräteträger sowie die Lage vor Ort nach Auffinden der zu Rettenden feststellen und beurteilen können.

Rettung eines verunfallten ASGT (Quelle: Dräger AG)

Blitz – Mann in Not

Definition

Nach PDV 810 Sprechfunkverkehr standardisiertes Kennwort für bevorzugten Funkspruch für den Notfall im Sprechfunk. Mit dem Absetzen dieses Funkspruchs wird durch das Wort “Blitz” eine Vorrangstufe im Sprechfunkverkehr angemeldet. Alle anderen Teilnehmer haben ihre laufende Kommunikation sofort zu unterbrechen. Es spricht nur noch der Absender dieser Meldung. Ausnahmen hiervon, z.B. bei “Staatsnot”, sind im normalen Feuerwehreinsatz nicht denkbar.

Bildquelle: Dräger AG

Erläuterung

Nach „Blitz – Mann in Not“ setzt der bisherige Funkverkehr erst wieder auf möglichst reduziertem Niveau ein, wenn alle notwendigen Maßnahmen vom jeweils zuständigen Einheitsführer auf diesem Kanal durchgegeben worden sind.

Alle anderen Maßnahmen ordnen sich der Notfallsituation unter. Die Kommunikation zur Bewältigung der Notsituation hat Vorrang. Entsprechende Regelungen finden sich in der FwDV 7 und FwDV 810. Es ist absolute Funkdisziplin zu halten.

Für den Atemschutzeinsatz wurde dagegen aus dem internationalen Sprechfunkverkehr das Kennwort für die Notfallmeldung in der FwDV 7 “MAYDAY” gewählt.